Der Arbeitsmarkt boomt - aber wie lange geht das noch gut?

Zwar erlebt die deutsche Konjunktur derzeit einen minimalen Aufschwung, trotzdem bleibt die gesamtwirtschaftliche Lage in Deutschland vorerst kritisch zu beobachten. Besonders vor dem Hintergrund, dass die Konjunktur 2018 nur knapp der Rezession entkam. Das Erstaunliche ist aber, dass sich trotz dieser erst einmal ernüchternden Tatsache das deutsche Jobwunder auf dem Arbeitsmarkt aktuell weiter fortsetzt und immer mehr Arbeitsplätze geschaffen und besetzt werden. Aber wie ist das möglich? Und noch viel wichtiger: Wie lange geht das noch gut?

In den letzten 13 Jahren legte die Wirtschaft im Schnitt 1,5 % weniger zu als in den Jahren zuvor. Und trotzdem entstanden seither 6 Millionen neue Arbeitsplätze. Das scheint im ersten Moment erst einmal kontrovers, wenn man bedenkt, welche wirtschaftlichen Folgen das für Unternehmen haben könnte und man aufgrund dessen als Maßnahme wohl eher Stellenstreichungen als das Schaffen neuer Arbeitsplätze vermuten würde. Stellt sich also die Frage, was letztendlich dazu führt, dass die Nachfrage nach neuem Personal weiter steigt, müsste sich bei solchen Meldungen doch eigentlich Panik in den Gesichtern der Arbeitnehmer breit machen. Die folgenden 3 Gründe sprechen für den derzeitigen Arbeitsmarkt-Boom.

  • Der klassische Selbstverstärkungseffekt ist einer der wichtigsten Gründe für den wachsenden Arbeitsmarkt. Und die Erklärung ist simpler als gedacht. Das Magazin Spiegel erklärt das so: Je knapper die Arbeitskräfte in Deutschland werden, desto mehr kämpfen Arbeitgeber um den Erhalt der eigenen Mitarbeiter. Unternehmen sorgen also dafür, dass offene Positionen provisorisch für den Fall der Fälle besetzt werden oder grundsätzlich erst besetzt bleiben, um nicht mit den Konsequenzen unbesetzter Stellen konfrontiert zu werden. Denn dadurch wäre zum Beispiel mit Folgen wie anfallende Überstunden zu rechnen, die durch vorhandene Mitarbeiter geleistet werden müssten. Aus diesem Grund ist es also wenig überraschend, dass die Zahl der Stellenstreichungen bei den Großunternehmen von 46.000 im Jahr 2017 bereits Ende 2018 auf 35.000 zurückging.
  • Der Fachkräftemangel nimmt weiter zu. Eine aktuelle Arbeitsmarkt-Studie von Jobspreader zeigt die deutlichen Fachkräfteengpässe in Deutschland. Vor allem in den Bereichen IT, aber auch in handwerklichen Berufen wird ein bundesweiter Mangel an qualifizierten Fachkräften sichtbar. Besonders im sozialen Bereich werden Fachkräfte in den letzten Jahren verstärkt gesucht. Die Zahlen sprechen hier eine eindeutige Sprache: So erwartet das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung, dass das Angebot an Pflegepersonal im Jahre 2050 von 510.000 auf 930.000 steigen könnte.  Das Problem liegt jedoch darin, dass der Bedarf zwar steigt und zahlreiche offene Stellen ausgeschrieben sind, diese aber überwiegend gar nicht oder nur schwer besetzt werden können. Das liegt unter anderem daran, dass die Generationen immer älter werden und der Bedarf an Pflegepersonal kaum gedeckt werden kann. Der Anteil der Stellen, die nicht erfolgreich besetzt wurden, lag im Jahr 2018 bei 8,3 %, während 39,8 % der ausgeschriebenen Stellen nur schwierig, also mit einer außerordentlich hohen Vakanzzeit, besetzt werden konnten. Um dem entgegenzuwirken, versuchen Arbeitgeber mit attraktiven Stellenangeboten mehr potentielle Kandidaten anzusprechen. Attraktiv meint zum Beispiel Hinweise auf mehr Lohn, Prämien oder kurze und einfache Bewerbungsprozesse, um Kandidaten zu motivieren, sich umgehend zu bewerben.
  • Work-Life-Balance – mehr Gleichgewicht für Arbeitnehmer. Karriere und Privatleben in Einklang bringen – das ist es, was sich die Mehrzahl der Arbeitnehmer heute wünscht. Die sogenannte Work-Life-Balance verspricht mehr Gleichgewicht für das Berufs- und Privatleben durch flexiblere und damit kürzere Arbeitszeitmodelle. Dadurch, dass Arbeitnehmer durch dieses Modell wöchentlich weniger Stunden leisten, können im Durchschnitt weitaus mehr Stellen besetzt werden, um fehlende Arbeitsstunden oder Überstunden wieder auszugleichen. Auch zukünftig ist zu erwarten, dass der Trend hin zu mehr Arbeitszeit-Flexibilität geht und somit mehr Stellen in Unternehmen besetzt werden können.

Fazit: Prognose 2019 – wie lange geht das noch gut?

Es ist wohl eindeutig, dass Arbeitnehmer durch den Arbeitsmarkt-Wandel aktuell mehr Vorteile erleben und wohl vorerst aufatmen dürfen. Trotzdem gehen Experten davon aus, dass dieser Zustand von kurzer Dauer sein könnte. Der demografische Wandel und die damit einhergehende Veränderung in der Altersstruktur könnten den derzeitigen Boom in den nächsten Jahren bremsen. Das macht sich insbesondere an der niedrigeren Geburtenrate bemerkbar. So sank die Zahl der Neugeborenen in den Jahren 2016 und 2017 um 1 %, während die Lebenserwartung der Bevölkerung in Deutschland immer größer wird. Das Statistische Bundesamt prognostiziert für das Jahr 2030 einen Anteil von 23 % der über 65-Jährigen, das ist knapp ein Viertel der Bevölkerung – Tendenz steigend. Im Gegensatz dazu erlebte Deutschland 2016 und 2017 ein Geburtendefizit von über 147.000. Die tatsächliche Entwicklung bleibt aber vorerst trotzdem abzuwarten.

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Sarah Gerding
Marketing